Das Wunder von Bern

Ich bin ein emotionaler Mensch. Mir war im Vorhinein schon klar, dass mich dieses Musical berühren würde. So wie es Musicals in der Regel immer bei mir tun. Die Symbiose aus Geschichte, Musik, Tanz und Gesang lässt mir regelmäßig angenehme Schauer über die Haut jagen. Das war bei Cats, Starlight Express, Buddy Holly, Grease, Das Phantom der Oper, Der Glöckner von Notre Dame, Tarzan und Der Tanz der Vampire so und sollte auch beim Wunder von Bern nicht anders sein. Man sieht also, dass ich bereits diverse Musicals besucht habe und somit ein wenig vegleichen kann.

Bisher war mein Musical-All-time-favorite „Der Tanz der Vampire“, ich muss aber ganz ehrlich sagen, dass der Thron wackelt und „Das Wunder von Bern“ nun zum Besten zählt, was ich bisher sehen durfte.

Die Geschichte handelt von einem fußballbegeisterten Jungen, dessen Vater sich in russischer Kriegsgefangenschaft befindet und den er nie kennengelernt hat. Dieser Junge, Matthias, ist Balljunge von Helmut Rahn, der in die deutsche Fußballnationalmannschaft berufen wird und die fehlende Vaterfigur und bester Freund von Matthias darstellt. Die Aufregung hierüber ist ebenso groß, wie die Heimkehr des Vaters aus der Kriegsgefangenschaft. Während dieser versucht, sein Kriegstrauma zu verarbeiten und sich wieder in den Alltag einzuleben, kollidiert dieses Unterfangen mit der Fußballbegeisterung des Kleinen und des veränderten Lebens der kompletten Familie. Dies wird so anrührend gespielt, dass man an Emotionen wie Gänsehautschauern und dem ein oder anderem Tränchen nur schwer vorbei kommt. Ich bin mit meinen 30 Jahren nun kein Nachkriegskind mehr, kann mich durch die einfühlsame Erzählweise des Musicals aber direkt in die Zeit mit ihren Ecken und Kanten hineinfühlen. Menschen, zwischen Hoffen und Bangen, Neuanfänge, denen der Krieg selbst nach seinem Ende noch im Weg steht. Umso schöner zu verfolgen, dass diese Geschichte hier ein Happy End hat. Wir alle wissen, dass Deutschland 1954 völlig überraschend Weltmeister geworden ist. Was ich vor dem Musicalbesuch jedoch nicht wusste, mir nicht einmal vorstellen konnte, war die Umsetzung des legendären Endspiels. Ich hatte mich auch bewusst nicht im Vorhinein darüber informiert, da ich mich überraschen lassen wollte. Und diese Überraschung ist mehr als gelungen. Die Technik und die Kulisse, die hinter diesem Musical steckt, habe ich so noch nie zuvor in irgendeiner Art und Weise gesehen und bin heute noch absolut beeindruckt darüber. Man konnte kaum so schnell gucken, wie die Kulissen sich immer wieder geändert haben, wie aufwendig und intensiv hier gearbeitet wurde. Man dürfte merken, dass es sich um ein junges Musical handelt, denn alle Errungenschaften der Technik werden voll ausgeschöpft, was im Endspiel seinen absoluten Höhepunkt findet.

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Die Darsteller werden an Seilen befestigt und laufen eine Leinwand hoch und runter, hin und her, auf der die Spielzüge wie in einer Trainingseinheit gekritzelt werden, dazu der Originalton des Spiels: Ich bin beinahe aufgesprungen und habe mitgejubelt. Unglaublich und vermutlich schwer vorzustellen, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat.

Der nicht verebbende Jubel des Publikums, sowie die Standing Ovations am Ende des Stücks untermauern wohl meine Meinung dieses Meisterwerks.

Ich kann „Das Wunder von Bern“ nur jedem ans Herz legen, man ist nicht nur ein Musicalbesucher, sondern findet sich mit der Zeit komplett in der Geschichte wieder und denkt hin und wieder an den Triumph des letzten Sommers, als wir es wieder geschafft haben, Weltmeister zu werden.

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