Überfluss

Ich habe ein Patenkind. Durch dieses Kind habe ich meine ersten Berührungen und Erfahrungen überhaupt mit Kleinkindern gemacht. Dabei fällt mir eines immer wieder auf: Unnötiger Überfluss!
Das geht spätestens immer wieder von vorn los, wenn ich für diverse Festlichkeiten Geschenke kaufen möchte. Was schenkt man denn so einem Kind? Zuerst denkt man natürlich: „Hey, ist doch kein Problem, da gibt es doch eine wahnsinnige Auswahl an tollen Spielsachen, praktischen Lernwerkzeugen, süßen Klamotten.“ Und ja, das ist auch wahr, aber genau darin liegt das Problem. Mein Patenkind hat eine eigene Spielecke, diese quillt über an ebendiesen Dingen. Warum sollte ich zu Puppe Anna, Svenja, Steffi, Lena noch eine Kathi dazu kaufen? Und dies betrifft nicht nur die Puppenecke. Zusätzlich haben meist beide Elternteile noch über alles geliebtes Spielzeug von früher, welches doch das Herz aufgehen lässt, wenn das eigene Kind auch nochmal damit spielt. So verhält es sich auch mit den Klamotten, man bekommt von Freunden und Bekannten kartonweise Kleidung, aus der die eigenen Kinder eben heraus gewachsen sind, denn das geht bei den Kleinen ja so schnell. Aber man möchte natürlich auch gerne noch etwas Neues kaufen. Erneuter Überfluss.
Geht man einmal in einem Neubaugebiet spazieren, fällt noch etwas anderes auf: jedes fünfte Familienhaus hat eine eigene Rutsche, Schaukel oder einen Sandkasten im Garten. Wundervoll für die Kinder, bequem für die Familien, schade für die öffentlichen Spielplätze, auf denen man mit anderen Kindern spielen könnte und neue Freunde kennenlernen würde.
So stehe ich immer wieder vor der Frage: was braucht dieses Kind denn noch? Können wir allen Kindern auf der Welt nicht das größte Geschenk damit machen, dass wir für sie da sind? Blödsinn mit ihnen machen, in Pfützen hüpfen, im Matsch spielen und auf den Spielplatz gehen? Ihnen unser kostbarstes Gut – unsere Zeit – schenken?
Gerade letzten Sonntag habe ich einen Nachmittag mit meinem kleinen Sonnenschein verbracht. Was soll ich sagen, wir haben uns ca. 1 Stunde mit einem Vorhang (zum dahinter verstecken) und 9 Kastanien beschäftigt. Weder das eine noch das andere ist ursprünglich als Geschenk zum Zeitvertreib gedacht gewesen, doch wir hatten eine Menge Spaß.
Natürlich bin ich kinderlos und habe zu dem Thema vermutlich weder das Recht, noch die Ahnung etwas zu schreiben.
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2 Kommentare zu „Überfluss

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  1. ich bin nicht kinderlos und habe deswegen nicht mehr recht etwas darüber zu schreiben. aber ich empfinde den konsumwahn und überfluss ( bei den kleinsten) ebenso tragisch! bei den anderen sieht man es immer ganz besonders deutlich (das ist zuviel und das und das auch) aber leider ertappt man sich dann oft auch selbst wie man an irgendeinem bunten plastikspielzeug nicht vorbeikommt ohne es für das kind oder auch patenkind zu kaufen – zumindest geht es mir leider oft so :-/

    ps : richtig gut beobachtet und ebenso toll geschrieben .

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