Ein Buch

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Eigentlich ein toter Gegenstand und doch so viel bewegender und lebendiger als man auf den ersten Blick glauben mag.
Seit ich lesen kann, ist kein Buch vor mir sicher. Ich kann mich noch daran erinnern, als meine Mama mir mein erstes Buch geschenkt hat und sich vermutlich dabei dachte „Nun ist sie erstmal beschäftigt“. War ich auch, doch nur kurz. Denn ich habe es in einem Fluss durchgelesen. Meine Leidenschaft für das Lesen war geweckt und ist bisher keinen Tag eingeschlafen. Bücher lassen Dich in Gefühlswelten blicken, in andere Länder reisen, tragen dich durch die Zeit. Alles, was eigentlich vom Sofa aus nicht möglich ist, schenkt dir ein Buch.
Meine Passion ging in der Schule schon so weit, dass ich freiwillig die kompletten Deutschbücher durchgelesen habe, da ich gar nicht an genug „Stoff“ zum Lesen kommen konnte. Kein Wunder, dass man schnell zum Außenseiter mutiert, wenn man sich mit einem Buch in der Hand aus dem Alltag davonträumt. Ich habe mich jedoch nie einsam gefühlt, es genossen allein für mich mit dem Fahrrad zum Spielplatz oder zu einsamen Bänken zu fahren und einfach nur zu lesen. Ich bin in meine eigene Welt versunken, in die andere erst gar keinen Einblick bekamen. Das Außenseiter-Träumer-Klischee habe ich längst hinter mir gelassen, die Leidenschaft zum Lesen nicht. Ich ziehe ein Buch jederzeit einem Hollywood-Film vor, liebe es, keine Gegend vorgekaut zu bekommen, sondern sie selbst im Geiste durch die eigne Phantasie auferstehen zu lassen.
Und hin und wieder kommt es auch vor, dass ich mich in einem Buch verliere, wie es aktuell gerade wieder der Fall ist. Egal was ich gerade unternehme(n muss), ich hoffe, schnell nach Hause zu kommen und weiterzulesen. Dieses Buch packt mich, krallt sich in mir fest und scheint, als ob jemand direkt aus meiner Seele geschrieben hätte. Es lässt Gefühle in mir aufsteigen, die mich emotional heftig erschüttern, gleichzeitig fesselt es mich aber wie kein anderes, es zerreißt mich auf eine Art und Weise, nie zuvor habe ich ein Buch unter so vielen Tränen gelesen. Ich verschlinge es, es lässt Gedanken und Gefühle in mir aufkommen, die mich kaum einen ruhigen Schlaf finden lassen. Ich sauge die Buchstaben, die zu Worten geformt sind in mich auf, diene als Katalysator, die jene als Tränen wieder aus mir austreten lassen. Das Buch beschreibt eine Zeit meines Lebens, die wohl der schwärzeste aber auch lehrreichste Abschnitt meines Daseins war. Jedes einzelne Gefühl kommt wie eine Luftblase zurück an die Oberfläche und zerplatzt in einer emotionalen Heftigkeit, die mich erschauern lässt. Dies alles war wohl nie wirklich weg, was man so schön in den Untiefen vergraben hat und aus Selbstschutz nur partiell hinaus lässt, um nicht daran zu verenden.
Ich bin dankbar, dass ich die Fähigkeit besitze, über Nacht irgendwie meine positiven Energien wieder aufzuladen und morgens frohen Mutes weiter zu machen. Ich muss dieses Buch möglichst schnell zu Ende lesen, um dem ein Ende zu machen, ich versetze mir damit jedem Abend einen Stich ins Herz.
Warum ich das alles beschreibe? Weil es einen kleinen Einblick verschafft, was ein Buch zu bewirken vermag. Vielleicht gibt es dem ein oder anderen den Anstoß, den Fernseher einmal auszuschalten, über dessen stumpfes Programm man sich meist doch nur pikiert und mal wieder zu einem Buch zu greifen, in eine andere Welt einzutauchen, seinen Gefühlen freien Lauf lassen und sich davonzuträumen.
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